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Stoffwechsel

Alle finden Hierarchien blöd.

Alle wollen irgendwie Teil eines Netzwerks sein.

UND ALLE MACHEN SICH WAS VOR.

 

von Wolf Lotter . 

http://www.brandeins.de/archiv/2005/machtwechsel/stoffwechsel/

"Das ist das Drama der Transformation", sagt Sprenger. "Wir leben nicht mehr im alten Schornsteinkapitalismus, wo klare Hierarchien das Erfolgsmodell schlechthin waren, weil sie kurze und klare Wege ermöglichten. Andererseits sind wir aber auch noch nicht in der Dienstleistungsgesellschaft angekommen, in der Märkte und Kunden vermitteln, was Unternehmen tun und lassen sollen." In diesem Dazwischen hängt die Wirtschaft, und wer jetzt immer noch glaubt, dass diese nichts mit Gesellschaft und Politik zu tun hat, der darf sich fragen, warum es den politischen Institutionen heute so dreckig geht.

[...]

"Mit den alten Hierarchien wurde auch die Klarheit und die Orientierung, die sie boten, beseitigt. Natürlich brauchen mündige Menschen keine Bevormundung, aber sie brauchen klare Strukturen." Parallel zu den Aufräumarbeiten in den alten Hierarchien wäre es laut Sprenger dringend nötig gewesen, "Hierarchie neu zu denken - im Sinn einer modernen Klarheit". Eine solche Hierarchie bestehe darin, dass die in ihr praktizierte Macht milde aussieht: "Eine Hierarchie darf sich nicht zur Kenntlichkeit entstellen." Das wäre der verhasste Machtmissbrauch.

Man könnte das, was Sprenger sagt, auch mit "locker, aber klar führen" umschreiben. Nur: Wer kann das? Wenige. Denn ausgerechnet die Generation, die einerseits klar und ohne Heuchelei führen, andererseits dabei die Bedeutung des Wertes Respekt im Kopf haben sollte, konnte das ihrer kulturellen Herkunft wegen nur mit Mühe.

[...]

Nutzen schaffen ist schwere Arbeit. Früher nannte man das dienen. Nicht nur sich selbst.

[...]

Weniger pathetisch formuliert bedeutet das: Wenn du ein besseres System willst, mach dich nützlich. Die Summe dessen, was dabei herauskommt, schafft eine höhere Qualität. Das ist kollektive Intelligenz, bei der jeder einzelne Knoten sich immer wieder von neuem anstrengen muss, um bei den anderen Gehör zu finden. Kruse nennt das Resonanzfähigkeit - also das Vermögen, von anderen wahrgenommen, als nützlich betrachtet zu werden. Und zu akzeptieren, dass andere nützlich, manchmal auch nützlicher sind als man selbst. Für das gemeinsame Ergebnis tut man seinen Job. Seine Pflicht.

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